Neue Regeln machen es schwerer und teurer: Klimaziele, EU-ETS und der Flickenteppich
Lange galt die Seefahrt als Branche, die bei den Klimazielen eher am Rand stand. Das hat sich geändert, und zwar mit Absicht. Die Klimaregulierung in der Schifffahrt ist bewusst so gesteuert, dass die Branche nicht mehr davonkommt und reagieren muss. Genau das tut sie inzwischen auch.
Ob man das möchte oder nicht, ist dabei keine Frage mehr. Wer weiter Schiffe betreiben will, muss mitspielen. Die eigentliche Herausforderung liegt woanders: Die Regeln sind weltweit nicht einheitlich, und Schiffe fahren nun einmal weltweit.
- Der Regulierungsdruck auf die Schifffahrt ist politisch gewollt und gezielt gesteuert.
- Reedereien müssen Voraussetzungen schaffen: Kapital beschaffen, Technik lösen, Schiffe wirtschaftlich einsetzen.
- Die EU ist mit EU-ETS und FuelEU vorangegangen, andere Regionen ziehen nach.
- Über die IMO wird an einheitlichen Regeln gearbeitet, bisher gleicht das Bild eher einem Flickenteppich.
Klimaregulierung in der Schifffahrt: Mitspielen ist Pflicht
Wer heute ein Schiff betreibt, steht vor einer Reihe von Aufgaben, die sich nicht aufschieben lassen. Er muss die Voraussetzungen schaffen, Gelder für Investitionen akquirieren, die technischen Fragen lösen und das Schiff am Ende so einsetzen, dass es weiterhin Geld verdient. Jede dieser Aufgaben ist für sich schon anspruchsvoll, zusammen bilden sie eine echte Managementleistung.
Die Klimaziele sind keine Option mehr, sondern eine Bedingung dafür, im Markt zu bleiben. Wer diese Realität früh annimmt, gewinnt Zeit für gute Entscheidungen, statt später unter Druck reagieren zu müssen. Dazu gehört auch, die Finanzierung von Umrüstungen frühzeitig mit Banken und Partnern zu klären, bevor die nächste Frist näher rückt.
Wo kommen die Kraftstoffe der Zukunft her?
Die EU ist mit dem Emissionshandel EU-ETS und mit FuelEU Maritime vorangeprescht. Beides ist ein großes Thema, denn es stellt eine grundsätzliche Frage: Woher sollen die zukünftigen Kraftstoffe kommen, regional und weltweit? Und die EU legt bereits nach: Nach einem Vorschlag der Kommission soll der Emissionshandel künftig auch kleinere Schiffe erfassen. Gleichzeitig gibt es in anderen Regionen weitere Bestrebungen, die Anforderungen zu erhöhen.
Das macht die Sache nicht einfacher. Schiffe fahren global, die Vorschriften aber unterscheiden sich je nach Region. Dadurch entstehen Ausweichkonzepte, bei denen Europa nur noch gezielt angelaufen, teils sogar umfahren wird und Container vorher umgeschlagen werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig, und jede davon verändert Routen, Kosten und die Planung im Shipmanagement.
Klimaregeln sind beschlossen. Offen ist nur, ob sie bald für alle gleich gelten.
Gleiche Regeln über die IMO statt Flickenteppich
Am einfachsten wäre es, wenn alle Regeln für alle gleich gelten. Genau das ist die große Aufgabe der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO, die für die weltweite Schifffahrt einheitliche Standards schaffen soll. Ein solches weltweites Regelwerk liegt bei der IMO bereits vor, die Abstimmung darüber wurde im vergangenen Jahr jedoch vertagt und steht zum Jahresende erneut an. Bis dahin bleibt das Bild ein Flickenteppich aus regionalen und internationalen Vorgaben, die parallel beachtet werden müssen. Für ein Schiff, das in mehreren Regionen unterwegs ist, heißt das: mehrere Regelwerke, mehrere Nachweise und mehrere Rechnungen für dieselbe Reise.
In dieser Übergangszeit ist finanzielle Beweglichkeit besonders wertvoll. Wer Investitionen in Technik und Kraftstoffe stemmen muss, sollte im Schadenfall nicht zusätzlich an seine Reserven gehen müssen. Die Ausschnittsdeckung für den Selbstbehalt der Kaskoversicherung übernimmt genau diesen Betrag und hält die Mittel frei, die für die Umstellung gebraucht werden.
Fazit
Die Klimaregulierung in der Schifffahrt ist gewollt, und sie wird bleiben. Reedereien müssen Kapital, Technik und Einsatz der Schiffe darauf ausrichten, während die Regeln weltweit noch uneinheitlich sind. Merksatz: Mitspielen ist Pflicht, gut aufgestellt mitspielen ist Management, und dazu gehört eine Liquidität, die auch einen Schaden verkraftet.


